Rezension

Bündnis #unteilbar (Hg.) #unteilbar. Für eine offene und solidarische Gesellschaft

von Raven Musialik (zuerst im futurzwei Magazin veröffentlicht)

Definitiv ein Highlight 2018: 242.000 Menschen bei der #unteilbar-Demo. Das Ereignis war überfällig, nachdem Pegida und AfD die Politik vor sich hertrieben und nahezu alle Parteien ihr verloren gegangenes Klientel am rechten Rand suchten. Diese Zeiten sind vorbei: „#unteilbar ist Hoffnung und Aufbruch“, steht im Vorwort der nun erschienenen Ullstein-Streitschrift, die die Reden der Auftakt- und Abschlusskundgebung versammelt. Mit dem heimlichen Potenzial zum historischen Dokument fängt sie den Moment ein, in dem die politische Tendenz zu Abschottung und Autoritarismus umgekehrt worden sein wird. Das ist die Hoffnung. Buchseite an Buchseite stehen hier Frauenrechtsaktivistinnen, Geflüchtete und Streikende mit geübten Vortragenden wie Kübra Gümüsay, Georg Restle oder Priya Basil. Daher lebt das Buch nicht von durchgehender Brillanz der Reden, dafür aber von dem einigenden kämpferischen Willen, politisch wieder in die Offensive zu kommen. Die Breite antisexistischer, antirassistischer und sozialer Forderungen verkörpert den Anspruch der Solidarität, hinter der sich das Bündnis versammelt. Programmatisch fordert der IG-Metall-Chef Hans-Jürgen Urban: „Wir werden die Ursache für Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Spaltung nicht bei denjenigen suchen, die selbst Opfer des Gegenwarts-Kapitalismus sind.“ Das meint einen Pfadwechsel, einen Aufbruch, oder wie es Bini Adamczak formulierte: Das Ende der Verteidigung und den Anfang der Veränderung. Insofern ist das gar nicht gelogen, das mit der Hoffnung und dem Aufbruch.

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Mithu Sanyal über die #unteilbar-Streitschrift in ihrer taz-Kolumne: Liebe ist schöner als Kapitalismus